„Steht für die Werte ein, die euch wichtig sind!“ Diese Botschaft zog sich durch den dritten Nachwuchsarchitekt:innentag. Rund 300 Studierende, Berufseinsteiger:innen, Lehrende und Kammervertreter:innen aus Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung kamen am 23. Oktober 2026 am Karlsruher Institut für Technologie zusammen. Der NAT:26 wurde gemeinsam von den Architektenkammern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und des Saarlandes sowie nexture+ und der Bundesarchitektenkammer ausgerichtet. Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die ihn möglich gemacht haben: den Haupt- und Ehrenamtlichen aller Veranstalter:innen - an dieser Stelle ein besonderer Dank an unsere vielen Beteiligten der AKBW, die sich auf allen Ebenen eingebracht haben, von der Organisation über die Moderation bis zu Impulsen und Kuratorien in den Workshops.
Stimmen vom NAT:26
Zuhören und mit den Teilnehmenden wirklich in den Austausch kommen: Das sei die Aufgabe beim NAT, betonte Stephan Weber, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer. Prof. Susanne Dürr, Vizepräsidentin der Architektenkammer Baden-Württemberg, richtete den Blick auf Lehre und Weiterbildung: Lebenslanges Lernen gehöre zum Selbstverständnis des Berufsstandes und an den Hochschulen stünden die Zeitfenster durch die Abgänge der Boomer-Generation weit offen. „Jetzt ist die Zeit für die jungen Planenden, sich die Räume zu nehmen und die Stimme zu erheben.“ Anschließend forderte Jens Stahnke, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, die Teilnehmenden beim Begrüßungsplenum auf, den geschützten Raum des NAT zu nutzen, um gemeinsam nachzudenken und gemeinsame Vorstellungen zu formulieren. Und für nexture+ ist das Ergebnis des Tages ein gemeinsamer Arbeitsauftrag: „Wir sind die Zukunft und die Gegenwart unseres Berufsstandes. Es ist daher unsere Verantwortung, Haltung zu zeigen.“
Ein Berufsbild im Stresstest
Klimakrise, Wohnraummangel, Ressourcenknappheit, Digitalisierung und gesellschaftlicher Wandel: Der NAT:26 stellte das Berufsbild auf den Prüfstand. In Keynotes, Workshops und Diskussionen ging es um Verantwortung für die gebaute Umwelt, neue Formen des Arbeitens und Lernens, nachhaltiges Bauen, den Umgang mit dem Bestand, Partizipation und die Rolle der Kammern. Der Nachwuchs forderte mehr Bewusstsein und Umdenken bei Entscheidungsträger:innen; die etablierten Vertreter:innen aus Kammern, Praxis und Lehre ermutigten, laut zu sein und die vorhandenen Institutionen stärker für die Mitgestaltung zu nutzen.
21 Workshops, 21 Positionen
In 21 Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden 21 Positionen. Im Abschlussplenum wurden fünf davon als die Dringlichsten verabschiedet:
Bestand: „Gebäude sind zu erhalten und weiter zu nutzen. Jeder Abriss bedarf einer Zustimmung nach Prüfung der ökologischen und sozialen Auswirkung!“
Kammern: „Macht die Kammern gesellschaftsrelevant durch überraschende Bündnisse, zukunftsweisende Positionen und maximale Omnipräsenz.“
Wohnen: „Experimentelle Planungsinstrumente erhalten Rückendeckung – Wohnen darf nicht mehr als Spekulationsgegenstand genutzt werden. Wertewandel jetzt!“
Berufseinstieg: „Wir fordern Standards, auch für Gehaltssituationen, und echtes Mentoring in der Einstiegsphase sowie Kostenübernahme und Freistellung für Fortbildungen.“
Demokratie: „Die Architektur und Planungsberufe müssen an demokratische Grundwerte gebunden werden und sie in ihrer Praxis fördern.“
Zwei Keynotes im Plenum
Cornelia Haas (sutter3, Freiburg; AKBW-Kammergruppenvorsitzende) fragte in ihrem Impuls: „Wir machen Orte lebendig. Du auch?“ und zeigt wie Räume und Gebäude durch smarte Sanierungen wiederbelebt werden können.
Jurek Brüggen (undjurekbrüggen, Berlin; Gründer der AFEA – Association for Ecological Architecture) stellte unter dem Titel „Was wäre, wenn?“ die Handlungsbreite der Planenden und die Regeneration der (gebauten) Umwelt in den Mittelpunkt.
Alle 21 Positionen sind in einer Abschlusserklärung gebündelt, werden weiter ausgearbeitet und fließen in die berufspolitische Arbeit der einladenden Institutionen ein.
Der Nachwuchsarchitekt:innentag (NAT) ist eine Veranstaltung für Austausch, Vernetzung und das gemeinsame Weiterdenken der Architekturpraxis von morgen. Alle zwei Jahre bringt er junge Planende mit erfahrenen Akteur:innen aus Praxis, Lehre, Industrie und Politik zusammen.
Organisiert von nexture+, der Bundesarchitektenkammer, sowie wechselnden Landesarchitektenkammern, schafft der NAT einen Rahmen für Dialog auf Augenhöhe – offen, konstruktiv und zukunftsorientiert. Im Fokus steht der gemeinsame Austausch über die zentralen Fragen des Nachwuchses zur Berufspraxis und den aktuellen Herausforderungen. Was prägt unser Berufsbild heute, und wie wollen wir unsere Praxis und Lehre künftig gestalten? Der NAT versteht sich als Impulsgeber, in dem Ideen entstehen, diskutiert und weiterentwickelt werden. Seinen Auftakt hatte der NAT 2022 in Berlin. 2024 wurde er in Kooperation mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf fortgeführt, 2026 findet die dritte Ausgabe in Karlsruhe - erstmals in Kooperation mit gleich drei Länderkammern - statt. Mit jeder Veranstaltung wächst das Netzwerk und die gemeinsame Vision, die Zukunft des Berufs aktiv und generationenübergreifend zu gestalten.
Das IFBau bietet für Junior-Architekt:innen/Junior-Stadtplaner:innen (JunAS) ein umfangreiches Seminarprogramm, das nach Inhalt und Art der Themenvermittlung besonders für die Belange von Berufsanfängern geeignet ist.